Oder glauben Sie, dass die Mehrheit das Recht hätte, über Ihre Privatsphäre zu bestimmen? Wohl sicher nicht.
In der Demokratie sind es ausschliesslich Entscheidungen, die die Verwaltung des Gemeinwesens betreffen, die pluralistisch entschieden werden dürfen, keinesfalls jedoch private Angelegenheiten von Individuen und Minderheiten.
Stellen Sie sich vor, Sie dürfen nicht mehr auf Ihrer weichen Matratze schlafen, weil die Mehrheit harte bevorzugt. Ich selbst musste meine Matratze (die weichste, die es gibt) bestellen und mehrere Wochen darauf warten, nachdem mir die Verkäuferin beim Leiner erklärt hatte, dass die meisten Kunden harte Matratzen bevorzugen und weiche deshalb nicht lagernd wären. Damit könnte ich ja noch leben, aber wenn sich eines Tages mal die Kronen Zeitung anmasst, darüber eine "Befragung" zu machen und danach vielleicht sogar eine "Volksabstimmung" darüber verlangt, ob Produktion, Import, Handel, Verkauf und Bestitz von weichen Matratzen verboten werden sollen, dann ist es wohl ein klarer Fall, dass dies mit Demokratie absolut nichts mehr zu tun hat und die Mehrheit klar in ihre Schranken zu verweisen wäre.
Leider gibt es genug Beispiele, wo unter dem Deckmantel der Demokratie das Recht des Individuums, wonach die Freiheit desselben erst dort endet, wo die Freiheit des nächsten beginnt, erheblich beschnitten wird. Als Beispiel dafür wäre nur die völlig antiquierte und sinnlos gewordene "allgemeine Wehrpflicht" zu nennen. Darüber zu entscheiden stünde allein den jungen Männern zu, die davon unmittelbar betroffen sind und niemanden sonst zu. Leider ist dies nicht der Fall und wenn sich in der Gesamtbevölkerung eine Mehrheit dafür ausspricht, ist dies der klassische Fall, wie von der Mehrheit über eine Minderheit in unzulässiger Weise verfügt wird.
Nehmen wir an, zwei Personen gleichen Geschlechtes wollen heiraten. Dies ist eine Sache, die ausschliesslich diese beiden Personen betrifft. Die allein und niemand sonst hat das Recht zu entscheiden, ob sie das wollen oder nicht. Wenn ihnen dieses Recht unter dem Deckmantel der Demokratie verwehrt wird, liegt hier eine nicht zu rechtfertigende Verletzung der Privatsphäre vor.
Die Liste liesse sich beliebig erweitern. Hier soll nur aufgezeigt werden, dass nicht alles, was von einer Mehrheit beschlossen wird, auch demokratisch sein muss. Die Demokratie verlangt es, in bestimmten Fällen die Mehrheit in ihre Schranken zu verweisen.
Sonntag, 20. September 2009
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